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Ich muss offen zugeben, dass man Ihre Kunst nicht genau beschreiben kann. Folglich rettet man sich in einem Zitat: ‚Eine Charakterspielerin hatte kein Fach, sie beherrschte jedes. Diese oder jene stand im Ruf einer mehr oder weniger verlockenden Hässlichkeit. Sooft sie es brauchte, war sie schön zum Erstaunen, auf blendende, sogar liebliche Art.’ Das schrieb Heinrich Mann. Er hat damit nicht speziell Sie gemeint, weil er Sie leider nicht mehr kennen lernen konnte.
Lothar Kusche – 2002 in Ossietzky (Zweiwochenschrift für Politik/Kultur und Wirtschaft) Désirée Nick, Schauspielerin, Entertainerin, Kabarettistin und Autorin, eine Vollblutkünstlerin, deren weit reichende Qualitäten durch die hohe Aufmerksamkeit der Boulevardpresse, die sich mit Vorliebe mit der Oberfläche einer schillernden Persönlichkeit beschäftigt, erst auf den zweiten Blick eröffnen. Am 30. Sept. 1956 im Westteil der Stadt Berlin geboren wuchs Désirée Nick in der einmaligen Atmosphäre kleinbürgerlicher und großkreativer Melange der Halbstadt auf, früh strebte sie nach künstlerischer und körperlicher Tätigkeit und absolvierte in sehr jungen Jahren an der Berliner Tanzakademie eine Ausbildung als klassische Baletttänzerin, die mit einem Engagement an der Deutschen Oper Berlin endete (1975-1982). Von der Deutschen Oper genoss sie die bevorzugte Auswahl als First-Class-Show-Girl an den Lido de Paris (1982-1984). Die Ausbildung und Arbeit prägen ihre Haltung und Disziplin bis heute bei allen Aufgaben, denen sie sich stellt. Desiree Nick O-Ton „Es gibt keine Ex-Tänzer. Einmal Ballettprofi immer Ballettprofi“ Tatsächlich stimmt auch die Legende, dass sie nach 6 Semestern, an der Theologisch-Pädagogischen Akademie Berlin den Abschluss als Lehrbeauftragte für katholische Religionspädagogik bis zur Oberstufe absolvierte und diesen Beruf auch einige Zeit ausübte. Da sie, mit einer Größe von 180cm, für eine klassische Tänzerin zu groß wurde, musste sie ihre Bühnenlaufbahn zunächst beenden und fiel in tiefe Depressionen. Durch die Hilfe eines Pfarrers änderte sie ihr Leben und wurde katholische Religionslehrerin. Nach drei Jahren musste sie auch diesen Beruf aufgeben, diesmal lag es an ihrer für die Kirche zu progressiven Haltung. Auf deutschen Bühnen überzeugt die Schauspielerin Désirée Nick seit 25 Jahren mit klassischen und ernsten Rollen ebenso wie im komödiantischen Fach. Die Bandbreite reicht von Schnitzlers „Reigen“, Kleists „Zerbrochenem Krug“ und Büchner „Dantons Tod“ bis zu Goetz’ „Hokus Pokus“, „Othello darf nicht platzen“ und diversen Lustspielen an der Komödie und dem Theater am Kurfürstendamm. Auffälligerweise spielt die junge Frau Nick ihrem Alter entgegengesetzt ältere und gesetzte Rollen. Sie glänzt in Inszenierungen junger Regie-Talente wie Bernd Mottl („Nichts Schöneres“ von Oliver Bukowski, Renaissance Theater), Adriana Altaras („Damen der Gesellschaft“ von Clare Boothe Luce am Maxim Gorki Theater) oder René Pollesch an der Volksbühne Berlin. Sie bereichert die Werke außerordentlicher Filmemacher wie u.a. die von Rosa von Praunheim („Neurosia“ 1995), Max Färberböck („Aimée und Jaguar“ 1998) oder J. Kuhn („Fisimatenten“ 1999). Die von der Theaterkritik hervorragend besprochene schauspielerische Leistung und der Filmpreis auf dem Filmfestival von Locarno (1997) werden weniger wahrgenommen als die spektakulären Soloprogramme in Berlin, mit denen sich die Nick seit 1993 in Szene setzt und als Entertainerin kein Blatt vor den Mund nimmt. Hier präsentiert sie sich als ihr eigenes Kunstwerk und versetzt Publikum und Kritik in atemberaubtes Staunen über ihren revolutionären Ansatz von Showbiz. Nichts ist ihr heilig – die Diva präsentiert Entertainment mit doppeltem kulturellen Gehalt: brachial unterhaltsam und literarisch wertvoll. In tadellosem, glamourösen Outfit, welches mühelos jeder Las Veags-Show gewachsen wäre, kreiert sie sich spöttisch zur „Madonna der Geriatrie“. Als schlagfertige Erzählerin und geistreiche Analytikerin des Showgeschäfts nimmt sie nicht nur die darstellungssüchtigen Möchtegerne der Branche auf’s Korn. Sie überzeugt, indem sie ihre eigene, totale Demaskierung auf der Bühne vollführt. Und sie gehört mit dieser Fähigkeit zu den wenigen wirklich erfolgreichen Frauen dieses Genres.Der Preis ihrer einmaligen Kreation „La Nick“: Ihre vielseitige, tiefe künstlerische Kraft wird reduziert auf die Krawallschachtel vom Dienst. Sie wird zum Lieblingskind des Boulevards und erliegt der Verführung der massenwirksamen Medien. Mit boshafter Ernsthaftigkeit, eiserner Disziplin und brillantem Witz gewinnt sie die Krone als Dschungelkönigin in dem RTL-Quotenhit „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ und riskiert den Respekt der seriösen Kulturszene, die mit Nicks maliziösem Auftritt im verhassten „Unterschichtenfernsehen“ nichts anfangen kann. Die FAZ titulierte Sie zur Dschungelqueen mit Weltformat“ Als Zickenkriegerin wird Nick zum beliebten und gefürchteten Gast aller bundesdeutschen Talkshows. Inzwischen ficht sie nicht nur mit dem gesprochenen sondern besonders erfolgreich auch mit dem geschriebenen Wort. Alle ihre Bücher führen wochenlang die Bestsellerlisten an und überzeugen mit durchaus vergnüglichem und intelligentem Lesestoff. Ob „Gibt es ein Leben nach vierzig?“ oder „Was unsere Mütter uns verschwiegen haben.“, ihre nachdenklichen und umwerfend unterhaltsamen Betrachtungen zum Alltag bundesdeutscher Frauen in glänzend geschliffener Sprache sind große Klasse, ihre Lesungen wahre Höhepunkte, mit denen sie Theatersäle füllt. „Eva go home!“, ihr drittes Buch, ist eine kluge und scharfsinnige Entgegnung auf die altbackenen Thesen einer Fernsehmoderatorin. Immer nach dem Motto, mit dem sich die couragierte Künstlerin konsequent Freunde und Feinde einhandelt: „Schweigen würde ja Zustimmung bedeuten!“. |